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Die Geschichte
des
Bergmannsvereins in Roßleben
Mit
dem Einzug des Kalibergbaus an Unstrut und Finne Anfang des 20.
Jahrhunderts bildeten die Bergleute folgerichtig auch hier ihre Vereine,
wobei diese nicht werks-, sondern ortsgebunden entstanden.
Das genaue
Datum der Gründung des Bergmannsvereins von Roßleben ist nicht bekannt,
da es darüber keine Unterlagen mehr gibt. Bekannt ist nur, das es im Jahr
1905 lag, dem Jahr der Aufnahme der Förderung in Roßleben.
Im Jahre 1908
bestanden ebenso schon Vereine in Wiehe, Bottendorf, Heygendorf,
Ziegelroda und auch in Oberheldrungen. Das geht aus Pressemeldungen
hervor, die das Bergmannsfest in Roßleben am 31. Mai und 1. Juni
1908 ankündigen bzw. darüber informieren.
Am
4. Dezember 1935 fand im „Deutschen Haus" in Roßleben der
Schulungsvortrag der Betriebsgemeinschaft der Gewerkschaft Roßleben,
umfassend für die Gefolgschaftsmitglieder aus Roßleben, Bottendorf und
Ziegelroda statt. Der sog. Betriebszellenobmann Blume verlas einen
Aushang, in dem die Auflösung aller Bergmannsvereine per 1.1.36 verfügt
wurde. Darin wurde auch festgelegt, daß das Vermögen der Vereine von der
Betriebsgemeinschaft übernommen wird, soziale Leistungen, wie z.B. 100 RM
Bestattungshilfe, bestehen blieben und das Tragen der Bergmannstrachten
ebenfalls erlaubt bleibe. Von nun an erlosch die Eigenständigkeit der
Bergmannsvereine in Roßleben und Umgebung, sie wurden Teil des
nationalsozialistischen Kulturkreises. Inwieweit sie sich dieser Disziplin
unterordneten, ist nicht bekannt.
Erst
Mitte der 50-er Jahr besannen sich nach Überwindung der ersten Notzeiten
einige Bergleute der alten Tradition und gründeten den Bergmannsverein
neu. Er gehörte auch bald wieder zu den Aktivposten im gesellschaftlichen
Leben der Gemeinde Roßleben. Die alte Vereinsfahne, die über die
finsteren Jahre hinüber gerettet worden war, entsprach durch ihren
Zustand und vor allem wegen ihrer Aufschrift - Auch
im tiefsten Schacht - Gottes Auge wacht - dem vorgegebenen Zeitgeist
nicht mehr und wurde durch eine neue ersetzt, auf dessen Aufschrift das
Auge Gottes durch das des Bergmanns ersetzt wurde. Bei vielen staatlichen
und betrieblichen Veranstaltungen, auch bei Beisetzungen von Werksangehörigen,
wurde diese Fahne präsentiert.
In
den Jahren 1971/72 war es wieder mal so weit, daß der Bergmannsverein
nicht mehr in das System paßte. Auf Geheiß des FDGB wurde der
Bergmannsverein in den Verantwortungsbereich des Clubs der Werktätigen überführt.
Im Kaliwerk Roßleben mußte der Verein seine Fahne abgeben, was aber
offensichtlich so geschah, daß sie nicht verloren ging, sondern die
Folgezeit überlebte. Der Vorstand stellte, gegängelt durch die BGL des
Werkes, seine Arbeit ein. Die Trachten mit ihren buschigen Tschakos wurden
ersetzt durch die DDR-weit vereinheitlichten Bergmannsehrenkleider mit den
im Stil vom Militär entliehenen Schirmmützen. Man kann nicht sagen, daß
durch das Sterben des Vereins die bergmännischen Traditionen wegfielen.
Im Werk gab es eine Bergmannskapelle, deren Auftritte sich großer
Beliebtheit erfreuten. Die jährlich am 1. Sonntag im Juli stattfindenden
Bergmannsfeste hatten durchaus Volksfestcharakter.
1990 - die Wende
1990
kam die Wende, damit nach 57 Jahren auch die politische „Freiheit"
in unseren Ort zurück. Obgleich das Werk Roßleben den Kampf ums Überleben
relativ schnell aufgeben mußte, besannen sich einige Bergleute wieder auf
ihre Tradition und gründeten trotz ihres beruflichen Endes den
Bergmannsverein neu. Sie folgten damit dem Beispiel vieler Bergleute in
den alten Bundesländern, die trotz frühzeitiger Schließung ihrer Gruben
aus Rentabilitätsgründen, die bergmännische Tradition ihrer Heimat
erhielten.
Am
11. September 1991 wurde der Bergmannsverein Roßleben in der
„Weintraube" zum 3. Mal aus der Taufe gehoben.
Die
neuen Vereinsmitglieder beschlossen als wesentliche Aufgaben der Zukunft:
» sich ein Vereinszimmer zu schaffen,
» sich eine neue Vereinstracht zuzulegen, die der alten Tradition
entsprach, ohne das
Ehrenkleid aus der DDR abzulehnen
» Verbindung zu anderen Bergmannsvereinen aufzunehmen,
» Ein niveauvolles Vereinsleben zu gestalten.

Im
Juni 1992 bot der damalige Bürgermeister von Roßleben dem Verein an, das
ehemalige Heizhaus der Kegelbahn zum Vereinszimmer auszubauen. Der
Vorschlag wurde freudig angenommen und in freiwilliger Arbeit wurden die
Heizungsanlagen demontiert und der Raum niveauvoll gestaltet.
Das
Ergebnis kann sich sehen lassen und entlockte nicht wenigen Gästen
anderer Bergmannsvereine anerkennende Worte. Die Initiativen einiger
Mitglieder können nicht genug gewürdigt werden.

Die
neue Vereinsfahne

Der
Roßlebener Bergmannsverein war der erste dieser Art in Thüringen und
hatte deshalb die Ehre, in seinem neuen Vereinsheim „Zum Füllort"
am 01.05.1993 die Gründungsversammlung für den Thüringer Landesverband
der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine ausrichten zu dürfen.
Noch im
gleichen Jahr, am 4. Dezember 1993 , wurde eine neue Vereinsfahne vom
Vorsitzenden des Bundesverbandes eingeweiht.
1995
erfolgte eine Erweiterung des Vereinsheimes um ca. 14 m². Es entspricht
damit in seiner Größe den Anforderungen der aktiven Mitglieder. Die störenden
Schornsteine der ehemaligen Braunkohlenheizanlage für die Kegelbahn und
andere Abnehmer wurden abgerissen. Beim Bau wurden isgesamt 15000
freiwillige Stunden geleistet.
Am 14. März 1996 wurden diese Arbeiten
abgeschlossen.
Im
Sommer 2000 feierten die Roßlebener das Unstrutfest unter dem Motto:
100
Jahre Kalibergbau an Unstrut und Finne, 95 Jahre Kaliförderung in Roßleben,
95 Jahre Bergmannsverein
„Glück Auf"
Dieses
unter großer Anteilnahme von Delegationen von Bergmannsvereinen aus ganz
Deutschland, von Gästen aus Politik und Wirtschaft und vor allem der
heimischen Bevölkerung ablaufende Fest, war ein großes Ereignis, das
wohl im Anliegen und in der Popularität dem von 1908 am nächsten
gekommen ist.
Die Bergparade durch Roßleben war ein einmaliges Erlebnis.
Die
Aufstellung einer 5-m-Seilscheibe (Doppelseilscheibe vom Schacht
"Wendelstein" am Ortseingang von Norden (aus Ziegelroda) her, macht
deutlich, daß Roßleben dereinst eine Bergarbeitergemeinde war.

Einweihung des Bergmannsdenkmals am Sängerweg im
Jahr 2000
05.01.2009
Der
Bergmannsverein "Glück Auf" Roßleben e.V. hat nun seinen
eigenen Internetauftritt. Dank der guten Zusammenarbeit aller
Vereinsmitglieder ist es uns gelungen, die hier präsentierte Homepage zu
errichten, die zeitnah aktualisiert wird.
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